Posts in interview
im neuen kleid: think. – das neue ast & fischer

nicht nur das magazin der ast & fischer ag erhielt einen neuen anstrich – das büro wurde modern organisiert, strategie und struktur auf die zukunft ausgerichtet. wie ein traditionsunternehmen den digitalen wandel mit viel innovation und mut angeht, lesen sie im neuen think., dem neuen kundenmagazin der ast & fischer ag.

die gesamte ausgabe lesen sie online.

auftraggeberin: ast & fischer ag
text und redaktion: manuela ryter, textbüro manuskript, bern

bernmobil in neuer kleidung

auch fürs bernmobil-magazin 2018 zum fahrplanwechsel durfte ich im auftrag der casalini werbeagentur sechs seiten text beisteuern. beeindruckt hat mich insbesondere, wie familienfreundlich das berner öv-unternehmen unterwegs ist – und wie chic ;-)

das gesamte magazin im pdf und auf issuu.

auftraggeberin: casalini werbeagentur, bern
mitarbeit text: manuela ryter, textbüro manuskript, bern

ein starkes zeichen für bernische notare

für den verband bernischer notare durfte ich im auftrag der agentur gecko communication ag die diesjährige jahresbroschüre texten bzw. redigieren. danke für den spannenden auftrag und die tolle zusammenarbeit!

auftraggeberin: gecko communication ag
text und redaktion: manuela ryter, textbüro manuskript, bern

das neue ast&fischer magazin

smart & haptisch, schräg & kultig, treu & flexibel – das ist das neue ast & fischer magazin – ein kundenmagazin, welches nicht auf PR setzt, sondern auf content. im neuen magazin erzählt beispielsweise berater und start-up-gründer manuel linder, weshalb marketing automation jedem unternehmen vorteile bringt, weil sie den rohstoff daten nutzt um sich erfolgreich mit den kundinnen und kunden auszutauschen.

lesen sie mehr online.

auftraggeber: ast & fischer ag, wabern
text und redaktion: manuela ryter, textbüro manuskript, bern

storytelling für den jahresbericht 2017 von promarca

für den jahresbericht 2017 des schweizerischen markenverbands promarca durfte ich im auftrag der berner agentur bloom identity die süssen seiten der schweiz kennenlernen: ich lernte im interview mit arnold furtwaengler, seit 2011 CEO bei wander AG, das erfolgsgeheimnis der ovomaltine – und des wirtschaftsstandorts schweiz – kennen. und im artikel über chocolats camille bloch zeigte ich auf, weshalb patron daniel bloch an den standort schweiz glaubt. auch der US-konzern johnson&johnson setzt auf die schweiz, wie im artikel zur übernahme von actelion im 2017 nachzulesen ist.

der jahresbericht ist online als pdf oder bei ISUU zu lesen.

auftraggeberin: bloom identity gmbh, bern
mitarbeit texte: manuela ryter, textbüro manuskript, bern

gedrucktes licht

in zukunft wird nicht nur papier gedruckt, sondern auch licht. mehr über die revolution des drucks – und viele weitere geschichten – im kundenmagazin der ast & fischer ag. lesen sie das magazin als epaper.

content-konzept, texte und redaktion: manuela ryter, textbüro manuskript bern
auftraggeberin: ast & fischer ag

geschichten erzählen – mehrwert bieten

mit ihrem kundenmagazin bietet die ast&fischer ag ihrer kundschaft mehrwert auf 12 seiten: mit spannenden geschichten und einem blick hinter die kulissen der branche. lesen sie das ganze magazin als epaper.

texte und redaktion: textbüro manuskript bern
auftraggeberin: ast&fischer ag wabern

corporate publishing für die ast & fischer ag

interviews, reportagen, berichte aus dem unternehmen, mitarbeiterporträts, kurzfutter aus der branche – jedes unternehmen hat eine menge zu erzählen. ich darf diese aufgabe für die ast & fischer ag übernehmen. hier das neuste magazin. lesen sie es als epaper. 

texte und redaktion: manuela ryter, manuskript – das textbüro in bern
auftraggeberin: ast&fischer ag wabern

«Wir müssen Herzen berühren»

Thomas Wieland will den materiellen Überfluss nicht mehr länger hinnehmen. Auf seinen «Gmüesesel»-Fitnessgeräten schwitzen deshalb die Leute nicht nur für ihre Schönheit: Sie pressen dabei Raps zu Öl oder mahlen Mais zu Polenta.

Herr Wieland, wie viel Polenta wurde heute schon mit Ihren Maisvelos produziert?
Nur ein "Bödeli" voll – der Abend hat erst begonnen. Pro Abend mahlen und pressen unsere Besucher auf den drei Velos und dem Crosstrainer rund 3 Kilo Polenta und 3 Liter Öl. Statt ihre Energie auf den Geräten zu verschwenden, verarbeiten sie Nahrungsmittel – die Produkte verkaufe ich danach am Berner Märit.

Wie kamen Sie denn auf die Idee, Getreide mit Muskelkraft zu verarbeiten?
Als mir die Zusammenhänge unserer Konsumwelt bewusst wurden, legte ich einen Garten an. Das war der Anfang. Doch wie konnte ich mein Gemüse ökologisch verarbeiten? Hier fehlten die Konzepte. Ich entwickelte deshalb einen Ofen, der mein Gemüse mit der Restwärme einer Solaranlage dörrt. Der Schritt zu den Fitnessgeräten, auf denen unglaublich viele Leute ihre Energie abgeben, war klein. An den produktiven Fitnessgeräten gefällt mir der direkte Bezug zur Arbeit, bei der ich verstehe und spüre, was passiert.

Kann Technik die Welt retten?
Nein, sie spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Veränderung entsteht, wenn Herzen berührt werden. Technik kann uns zwar helfen, weniger verschwenderisch zu leben. Doch was bringen Autos, die weniger Benzin verbrauchen, wenn immer mehr Menschen immer mehr Kilometer mit ihnen fahren?

Seit wann spüren Sie den Drang, die Welt zu verändern?
Ich studierte und reiste für einen Grosskonzern um die ganze Welt. Als ich in China sah, wie hart viele Menschen arbeiteten und wie arm sie waren, wurde mir bewusst, wie verwöhnt ich war. Ich begriff, wie sehr wir auf Kosten anderer leben. Ich musste mich entscheiden: entweder den Wohlstand oder das Gewissen drosseln. Daraufhin suchte ich nach neuen Lebensentwürfen.

Wie leben Sie heute?
Ich lebe auf einem Bauernhof und produziere auf einem halben Hektar die Rohstoffe für den "Gmüesesel". Ich will jeden Arbeitsschritt, der in der Entwicklung vom Samen bis zum fertigen Produkt anfällt, lernen. Der Mensch sollte wieder vermehrt in die Produktion unserer Nahrung integriert werden – das ist meine Vision.

Sie sind seit Kurzem Vater. Werden Sie als Nächstes eine Maschine erfinden, die die überschüssige Energie Ihres Sohnes einfängt?
Vielleicht strampelt er ja schon bald mit. Ich möchte künftig auf die Ideen des "Gmüesesel" setzen. Ich habe deshalb meinen gut bezahlten Teilzeitjob aufgegeben. Nun muss ich körperlich härter arbeiten und verdiene weniger. Dafür komme ich abends meist zufrieden und beflügelt nach Hause. Davon profitiert auch mein Sohn: Wenn ich meinem eigenen Feuer nachgehen kann, werde ich auch ein besserer Vater sein.

Der Elektroingenieur lebt in Thörishaus bei Bern. Auf seinem Restwärmedörrapparat dörrt er Gemüse und Obst und verkauft es auf dem Berner Märit. 2015 eröffnete der 42-Jährige seinen Fitnessraum in der Oekonomischen Gemeinnützigen Gesellschaft Bern. www.gmüesesel.ch

text: manuela ryter, textbüro manuskript bern
auftraggeberin: oliv-zeitschrift.ch
 

Christa Rigozzi und Tom Lüthi – Videostatements und Interviews für besserfahrer.ch

besserfahrer.ch, die verkehrssicherheitskampagne des verkehrssicherheitsrats vsr, startete mit zwei pominenten markenbotschaftern ins dritte jahr: christa rigozzi und tom lüthi. das textbüro manuskript durfte die realisierende agentur casalini auch dieses jahr unterstützen: ich textete die videostatements, assistierte bei den shootings und interviewte rigozzi und lüthi für die kampagne. auch bei der medienarbeit durfte ich wieder mithelfen. es hat spass gemacht! hoffentlich macht es auch allen neuen besserfahrern spass, die einen der zahlreichen fahrsicherheitskurse besuchen und sich weiterbilden! ich jedenfalls werde nächsten winter auch endlich einen schnee- und eis-kurs besuchen... 

text: manuela ryter, textbüro manuskript, bern
auftraggeberin: casalini werbeagentur, bern

für gutes corporate publishing – das zweite corporate gate magazin ist da

geschäftsberichte sind beliebt. bei geschäftspartnern und investoren. bei kunden und mitarbeitenden. denn gut gestaltete und interessante geschäftsberichte zeigen die essenz eines unternehmens kompakt und spannend auf. sie unterstreichen die wertschätzung eines unternehmens gegen aussen und innen und sind daher die besten imageträger – sofern sie gut gemacht sind. und nur dann. 

im auftrag der agentur bloom identity ging ich dem geheimnis des modernen geschäftsberichts auf die spur. wir sprachen mit professoren und jury-präsidenten, mit filmemachern und papierherstellern. 28 starke seiten für gute geschäftsberichte – und für gutes corporate publishing. www.corporategate.ch

texte und mitarbeit am konzept: manuela ryter, textbüro manuskript corporate publishing bern
auftraggeberin und projektleitung: bloom identity gmbh, bern

grün im kopf – grün im herzen

Gabriela Manser, Chefin der Mineralquelle Gontenbad, findet Kraft und Ideen in der märchenhaften Natur des Appenzells.

Frau Manser, die Namen Ihrer Getränke stammen aus der Welt der Feen und Elfen – die Kräuter, etwa Holunderblüten oder Melisse, aus der Natur. Sind Sie eher Unternehmerin oder Märchenfee?
Gabriela Manser: Ich bin eine ganz normale Unternehmerin, die dank 17 Jahren Erfahrung als Kindergärtnerin einen guten Zugang zum Märchenhaften hat. Diese Ebene nutze ich. Wir wollen nicht nur Getränke herstellen, sondern auch Geschichten erzählen und Freude bereiten.

Kürzlich haben Sie sogar ein Märchen in Buchform herausgegeben. Wie wurden Sie Märchenerzählerin?
GM: Als wir den Namen für unseren Bio-Eistee «iisfee» gefunden hatten, war klar, dass ich ein Märchen dazu schreiben würde. Das Buch entstand dann aber erst ein Jahr später aus purer Freude an der Geschichte – den Anstoss dazu gab eine Malerin, die an dem Märli interessiert war.

Ist die märchenhafte Natur der Schlüssel zu Ihrem Erfolg? 
GM: Nicht nur, da braucht es einen Mix aus vielen Elementen. Aber die Natur ist auf jeden Fall meine Inspirationsquelle. Ich bin sehr naturverbunden und glaube an die Existenz von etwas Grösserem. Im Wald, an einem Bach, beim Blinzeln in die Sonne taucht man in diese märchenhafte Welt ein, in der sich alles relativiert und man sich nicht mehr so wichtig nimmt.  

Sie sind bekannt für Ihr grosses Engagement für die Nachhaltigkeit. Woher kommt dies?
GM: Ich bin mit dieser Quelle im Gontner Hochmoor aufgewachsen. Die Mitarbeiter sassen früher bei uns am Tisch. Für mich war schon immer klar: Wenn man etwas Wertvolles erhalten will, muss man zu Mensch und Natur Sorge tragen. 

Ihr Grossvater füllte seine Mineral-wasserflaschen noch von Hand ab. Welchen Stellenwert nimmt das Wasser in Ihrem Leben ein?
GM: Einen grossen. Beim Wandern bleibe ich bei jedem Bächlein stehen. Ich finde das Plätschern von Wasser unglaublich schön. Wasser hat etwas Geheimnisvolles. Auch unser Mineralwasser: Wir wissen, dass es mindestens 25 Jahre lang in den Tiefen des Alpsteins unterwegs war. Ansonsten wissen wir sehr wenig. Für mich ist es ein kleines Wunder, dass wir trotz Klimaveränderung und saurem Regen Wasser zur Verfügung haben, das seine Reinheit bewahren konnte.

Nach 17 Jahren in St. Gallen gingen Sie zurück ins Appenzell, zurück zu Ihren Wurzeln. Was bedeutete dies für Sie?
GM: Zurückzukommen war schön, aber auch schwierig: Ich war nicht mehr die gleiche und kam in einer anderen Rolle zurück. Es brauchte Mut, ich selbst zu sein. Wenn ein Mensch zu sich selbst findet, wird er eckiger und kantiger, aber auch bunter. Diese Authentizität versuche ich auf unsere Firma zu übertragen.

dieser artikel erschien im mai 14 in der fachzeitschrift oliv.
text: manuela ryter, journalistin und texterin, textbüro manuskript, bern 


 

«Reinigen fördert unseren Geist»

 

Ökologie, Homöopathie und Anthroposophie gehören für Beate Oberdorfer 
zur Lebensgrundlage. Für die Co-Geschäftsführerin von Sonett spielt Wasser 
die Hauptrolle beim Putzen und Waschen. 

Frau Oberdorfer, wie sauber ist Ihre Wohnung? 
Beate Oberdorfer: Ich mache gerne sauber. Für mich bedeutet Putzen, dass mein Zuhause danach ordentlich ist. Ich erlebe es deshalb als eine wohltuende Tätigkeit. Reinigen gehört zur geistigen Entwicklung. Die äussere Reinigung ist auch eine innere Reinigung.

Haben Sie schon immer mit ökologischen Mitteln gewaschen und geputzt?
BO: Ja. Mein Elternhaus war ganz stark von der Reformbewegung geprägt, ich bin mit Homöopathie und Ökologie aufgewachsen. 

Sie bezeichnen Wasser als das eigentliche Reinigungsmittel. Wäscht Wasser denn sauber? 
BO: Waschmittel brauchen wir, um die Oberflächenstruktur des Wassers aufzubrechen. So kann das Wasser ins Gewebe eindringen und den Schmutz lösen. Das eigentliche Reinigungsmittel aber ist das Wasser. 

Das Wasser in den Sonett-Produkten wird verwirbelt und energetisiert. Ausserdem werden die Produkte mit balsamischen Zusätzen, die dazu rhythmisiert werden, bereichert. Was bringen diese Vorgänge?
BO: Die Verwirbelung des Wassers dient nicht dazu, dass das Waschmittel im stofflichen Sinne besser reinigt oder besser abbaubar ist. Unser Ziel ist es, dem Wasser einen aufbauenden Impuls zuzuführen. Wasser hat eine eigene Beweglichkeit; ein natürlich fliessender Fluss reinigt sich auch selbst durch Verwirbelung. Auch den balsamischen Zusätzen wie Lorbeer oder Weihrauch prägen wir im Oloid eine Achterbewegung ein, ähnlich der Mäanderbewegung der natürlichen Flussläufe. 

Weshalb tun Sie das?
BO: Weil wir das Wasser mit Putzmitteln schädigen, indem wir dessen Oberflächenstruktur zerstören – da können wir noch so ökologische Produkte verwenden. Wir wollen dem Wasser Lebenskräfte zurückgeben. Man findet dieses Prinzip der Bewegung auch in der Homöopathie und in der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. 

Welche Rolle spielt das Wasser in Ihrem Leben?
BO: Ich versuche, Wasser bewusst zu geniessen. Und ich halte mich gerne an Orten auf, wo Wasser ist. Ich wohne in einem Haus direkt am Bach. Wasser ist ein belebendes Element.

Sie führen eine anthroposophisch geprägte Firma, die keine Gewinn-maximierung anstrebt, sondern behinderte Menschen beschäftigt und Angestellten Kurse in Eurythmie bezahlt. Ist Sonett ein Sozialprojekt? 
BO: Nein. Es ist ein Wirtschaftsunternehmen, in dem Menschen unterschiedlichster Art die Möglichkeit haben, sich zu entwickeln. Dies ist eine wichtige Aufgabe der Arbeitswelt. 

Welche Rolle spielt Anthroposophie in Ihrem Leben?
BO: Durch sie habe ich verstanden, dass das, was mich umgibt, etwa die Arbeit oder die Menschen um mich herum, sinnvoll ist und dass ich eine Aufgabe in diesem Gefüge habe. Jeder Mensch hat seine Aufgabe. Es geht darum, auch anderen Menschen zu helfen, diese zu finden.

Interview: Manuela Ryter, textbüro manuskript bern

Dieser Text erschien im März in der Biofachzeitschrift Oliv.

Ein Radar für den Vogelschutz
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Windkraft hat Aufwind. Doch für Vögel und Fledermäuse sind die Rotoren oft tödlich. Vogelschützer und Windkraftbetreiber wollen nun auf Technik setzen: Der Radar einer Berner Firma soll die Anlagen abstellen, sobald Zugvögel vorbeiziehen.

Das Prinzip ist einfach: Nähern sich einem Windpark Zugvögel in Schwärmen, werden diese vom Vogelradar erkannt. Erreicht die Vogeldichte einen gewissen Schwellenwert, stellen automatisch alle Turbinen ab. Die Rotoren stehen mehrere Stunden still, bis der Vogelzug vorüber ist. Jeden Herbst und jeden Frühling, bis die vielen Millionen Zugvögel die Schweiz Richtung Süden durchquert haben.

Der Vogelradar soll so Hunderte Zugvögel, aber auch Fledermäuse vor dem Tod bewahren. Wie viele Vögel genau mit den Rotoren der Windturbinen kollidieren, ist nicht bekannt – noch fehlen verlässliche Studien. «Doch das Problem ist zweifellos da», sagt Matthias Kestenholz von der Vogelwarte Sempach, denn die meisten Zugvögel flögen just auf der Höhe der bis zu 120 Meter hohen Turbinen, deren drehende Rotoren sie nicht richtig einschätzen oder in der Nacht übersehen. Und ausgerechnet dort, wo die Zugvögel je nach Wind und Jahreszeit zahlreich fliegen, sind auch die besten Windverhältnisse für die Windenergie: den Juraketten und dem Alpennordhang entlang. Konflikte seien also unvermeidlich, so Kestenholz.

Denn die Windenergie ist im Kommen. Der Bund hat ihr in seiner Energiestrategie viel Gewicht gegeben. Hunderte Projekte werden momentan aufgegleist und die Kantone suchen beflissen nach idealen Standorten für neue Windturbinen. Doch fast alle Projekte kommen mit dem Vogelschutz in Konflikt, viele stehen still, weil Einsprachen von Seiten der Umweltverbände und des Vogelschutzes hängig sind. Und das, obwohl diese die Windkraft im Grundsatz befürworten. Denn auch für die Vogelarten ist der Klimawandel eine der grössten Gefahren – und erneuerbare Energien daher mehr als erstrebenswert. Es wird deshalb auf allen Seiten nach Lösungen gesucht.

«Verkraftbare Investition»

An Lösungen sind auch die künftigen Betreiber von Windparks interessiert, denn mit jeder Einsprache weniger erhält ein Projekt mehr Chancen. So entstand auch der Vogelradar aus der Not heraus. «Als fixe Abschaltzeiten der Turbinen während des Vogelzugs gefordert wurden, suchten wir nach einer Lösung», sagt Urs Seiffert, der als Geschäftsführer der Firma Considerate AG in Köniz auch Windparks entwickelt. Er gründete die Firma Swiss Birdradar Solution AG und entwickelte zusammen mit der Vogelwarte, die seit Jahrzehnten Radare der Schweizer Armee einsetzt, um Zugvögel zu erforschen, den Radar Birdscan. Es gebe Standorte, die den vom Bund festgelegten Grenzwert getöteter Vögel ohne Massnahmen nicht überschreiten. «Die anderen müssen die Anlagen während des Vogelzugs abstellen. Ganz oder dank des Radars nur stundenweise.» Ein Grossteil des Vogelschlags könne so verhindert werden.

Fest eingeplant ist der neue Vogelradar, der ab 2014 verkauft wird, bei der geplanten Anlage auf dem solothurnischen Grenchenberg. «Unser Ziel ist es, möglichst wenig Schäden zu verursachen», sagt Per Just, Geschäftsführer der SWG. Dank dem Radar könne man mit einer verkraftbaren Investition ein potenzielles Umweltproblem lösen – und erst noch davon profitieren, da man so die Abschaltzeiten verkürzen könne. Die Investitionskosten von rund 350 000 Franken würden also rasch amortisiert werden.

Radar löst nicht alle Probleme

Dass der Radar die Akzeptanz der Windenergie erhöhen wird, hofft auch Reto Rigassi von Suisse Eole, dem Verband zur Förderung der Windenergie. Eine solche Massnahme sei jedoch nur an Standorten mit sehr intensivem Vogel-zug verhältnismässig, sagt er. «Laut unserer Einschätzung sind Windparks keine grosse Gefahr für Zugvögel.» Doch man sei bereit, die Befürchtungen ernst zu nehmen. «Wir wollen als Teil der Lösung wahrgenommen werden und nicht als Gegner des Naturschutzes.»

So oder so wird der Radar nicht alle Probleme lösen. Denn nicht nur Zugvögel, sondern auch heimische Vögel wie Störche, Adler oder Milane kollidieren mit den Windturbinen. Um die Standortsuche zu erleichtern, hat die Vogelwarte im Auftrag des Bafu Konfliktpotenzialkarten erarbeitet. Auch die Beeinträchtigung der Lebensräume in zuvor nicht erschlossenen Gebieten macht den Vogelschützern Sorgen. Dies bekam auch das Projekt Schwyberg im Kanton Freiburg zu spüren: Unter anderem wegen der dort ansässigen Birkhühner liegt das Windenergieprojekt auf Eis. Und eine Lösung ist hier nicht in Sicht. 

 

3 FRAGEN AN

Markus Geissmann, Leiter Windenergie beim Bundesamt für Energie (BFE)

Windenergie ist im Aufwind, stösst jedoch auf Widerstand. Wie grün ist die grüne Energie wirklich?

Sie ist vom Material- und Landverbrauch her sehr grün. Kritik ist nur in zwei Bereichen angebracht: der Landschaftswirkung und dem Vogelschutz. Ersteres sollte eigentlich kein Thema sein, denn mit Windkraft wird langfristig nichts verbaut. Den Vogelschutz hingegen müssen wir ernst nehmen und ihn richtig angehen. Er darf aber auch nicht instrumentalisiert werden.

Bringt der Vogelschutz die Energiewende in Gefahr?

Diese Aussage ist zu plakativ, denn es gibt noch viele andere Faktoren – neben dem Landschaftsschutz und der Akzeptanz in der Bevölkerung etwa die Verträglichkeit mit der Zivilluftfahrt oder dem Militär. Doch der Vogelschutz ist ein Problem: Jedes Projekt, das momentan in Planung ist, kommt mit den Vögeln in Konflikt. Sei das, weil ein Standort laut Konfliktpotenzialkarte der Vogelwarte Sempach in einem Konfliktgebiet liegt oder weil ein Anwohner behauptet, in der Nähe gebe es Turmfalken.

Dann wird das Thema Vogelschutz überbewertet?

Was die Zugvögel angeht: ja. Wir sind der Meinung, dass die Windenergieanlagen einen vernachlässigbaren Effekt auf diese Vögel haben. Bei den Brutvögeln haben wir einen starken Zielkonflikt. Hier müssen Massnahmen ergriffen werden. Einen Kompromiss wird es aber geben müssen, denn wir brauchen die Windenergie, wenn wir die Atomkraftwerke ersetzen wollen. Wichtig ist, dass Studien gemacht werden, damit wir endlich wissen, welche Auswirkungen die Windenergie tatsächlich auf die Vögel hat. Das ist ein Risiko für die Windkraft, doch dieser Weg kann auch eine Chance sein.

 Info:

Windkraft als tragender Pfeiler der Energiewende

Heute werden in der Schweiz mit 33 Windturbinen jährlich rund 92 Gigawattstunden (GWh) Energie produziert – fast die Hälfte davon auf dem Mont-Crosin im Berner Jura. Laut Energiestrategie des Bundes sollen es bis 2050 rund 4000 GWh sein, was der Leistung von 800 Turbinen entspricht. Weil der Stromverbrauch weiter zunehmen wird und die Kernenergie wegfällt, braucht es bis 2050 Ersatz für 22 000 GWh Strom. Dieser soll aus einheimischer, erneuerbarer Energie bestehen, 20 Prozent davon aus Windenergie. Zurzeit sind Projekte für über 400 Windturbinen bei der Kostendeckenden Einspeisevergütung KEV, die Windkraft national fördert, angemeldet. 

 

 

Diese Themenseite erschien am 22. Oktober in der BZ-/Bund-Beilage "Erneuerbare Energie".

Text: Manuela Ryter, textbüro manuskript, bern

 

 

 

«Konsequent wären gar keine Noten»
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Kaum publik, fliesst der Lehrplan 21 auch schon in die Ausbildung der Lehrerinnen und Lehrer ein. Laut Rektor Martin Schäfer von der PH Bern dürfte künftig die Benotung der Schüler noch zu reden geben.

Martin Schäfer, heute beginnt das neue Semester an der PH Bern: Als erste PH der Schweiz werden Sie die angehenden Lehrerinnen und Lehrer nach dem Lehrplan 21 ausbilden. Vieles ist jedoch noch nicht ausgereift. Ist es nicht zu früh?

Nein. Wir müssen jetzt anfangen, denn die mehr als 400 angehenden Lehrerinnen und Lehrer, die heute ihre Ausbildung an der PH Bern in Angriff nehmen, werden diese 2016 bis 2018 abschliessen - genau dann, wenn der Lehrplan 21 im Kanton Bern eingeführt werden soll.

Der neue Lehrplan soll die Bildungsziele der Schulen in den 21 Deutschschweizer Kantonen harmonisieren. Wird er dieses Ziel erreichen?

Das hängt davon ab, was nun in den Kantonen passiert - ob sich dort der Geist, etwas Gemeinsames zu entwickeln, durchsetzt oder die lokal über Jahre eingeschliffenen Haltungen wie «Wir haben es bisher so gemacht, also machen wir es auch weiterhin so».

Dann stehen die Chancen schlecht? Im Bildungswesen ist der Föderalismus ja bekanntlich sehr stark.

Ich erwarte, dass es viele kantonale Anpassungen geben wird, und sehe daher ein Risiko, dass das Gemeinsame abgeschwächt wird. Das wäre schade, denn der jetzige Lehrplan 21 wäre eigentlich eine gute Basis für die Harmonisierung.

Erziehungsdirektor Bernhard Pulver beschrieb den Lehrplan 21 nicht als Reform von oben, sondern als Weiterentwicklung der Schule von unten. Was heisst das für die PH?

Der Lehrplan 21 wird insbesondere den Unterricht beeinflussen. Er wird aber auch ein Anlass sein, die Schule als Ganzes zu entwickeln. Für die fächerübergreifenden Themen etwa werden die Lehrkräfte stärker zusammenarbeiten müssen. Als Hochschule müssen wir dies den Studierenden aufzeigen.

Bisher schrieben Lehrpläne vor, was eine Lehrerin im Unterricht durchnehmen muss. Nun legt der Lehrplan 21 fest, was ein Schüler nach der 2., 6., 9. Klasse wissen und können muss. Wie werden Sie die Lehrkräfte auf diese sogenannte Kompetenzorientierung vorbereiten?

Indem wir das Grundkonzept des neuen Lehrplans auch für die PH übernehmen. Wir haben die Studiengänge dafür komplett neu entwickelt.

Was haben Sie geändert?

Vieles. Erstens werden wir vom heutigen Tag an der PH noch stärker kompetenzorientiert lehren. Wie die Schulkinder stehen auch unsere Studierenden alle an einem anderen Ort, jede und jeder Einzelne bringt ein anderes Wissen mit - das Studium soll diesen individuellen Wegen Rechnung tragen. Was am Schluss zählt, sind die Kompetenzen, die eine Lehrperson haben muss, nicht der Weg dorthin. Zweitens setzen wir uns - wie künftig die Schulen - mit den überfachlichen Kompetenzen und drittens mit den fächerübergreifenden Themen auseinander. So werden wir etwa die Medienbildung in die Lehre integrieren, wie es künftig an den Schulen vorgesehen ist. Viertens haben wir die Fachbereiche angepasst. Was zum Beispiel auf der Sekundarstufe I bisher als Biologie, Physik und Chemie unterrichtet wurde, heisst Natur und Technik. Die künftigen Lehrkräfte dieser Stufe werden breiter ausgebildet: Bisher absolvierten sie drei Disziplinen, neu vier bis sieben. Ein guter Schritt.

Dann ist die PH gewissermassen ein Lehrplan 21-Versuchskaninchen?

Wir streben konkrete Kompetenzen unserer Absolventinnen und Absolventen an. Doch schaffen wir es auch, diese zu überprüfen? Wenn nicht - wie können wir dies dann von den Schulen erwarten? Längere Praktika sind dazu gut geeignet, doch in der Lehre sind wir noch am Suchen. Dies wird auch für Schulen ein wichtiges Thema sein.

Heisst das, es ist noch unklar, wie Schüler in Zukunft benotet werden?

Ja, diese Frage wird noch zu diskutieren geben. Kompetenzen können nicht ausschliesslich wie Wissen abgefragt und beurteilt werden. Auch wenn heute wieder eine Tendenz zu mehr Noten spürbar ist, wird die Diskussion über die Funktion und Rolle von Noten durch den Lehrplan 21 sicher wieder neu aufgeworfen. Da wird man hoffentlich über die Kantonsgrenzen hinweg nach Lösungen suchen.

Würden Sie die Abschaffung der Noten begrüssen?

Diese Lösung wäre sicher die konsequenteste Umsetzung der Kompetenzorientierung. Aber das würde im Moment kaum auf eine breite Akzeptanz stossen. Ich habe selbst zehn Jahre lang an einer öffentlichen Schule ohne Noten unterrichtet. Für die Schülerinnen und Schüler hatte dieses System keine Nachteile, aber für uns Lehrpersonen war es anspruchsvoller, die Leistungen der Schüler den Eltern zu kommunizieren.

Laut Erziehungsdirektor Pulver gibt es mit dem Lehrplan 21 keine grossen Änderungen im Kanton Bern. Ist der Schritt zur Kompetenzorientierung nicht ein Paradigmenwechsel?

Ich würde nicht von einem Paradigmenwechsel sprechen - der Lehrplan 21 ist eher eine Evolution denn eine Revolution. Denn bereits der Lehrplan 95 enthält Kompetenzziele. Der neue Lehrplan ist da eine Erweiterung.

Gerade was die integrierte Medienbildung angeht, gibt es noch viele Fragezeichen. Und doch wird es gerade in diesem Bereich am meisten Aus- und Weiterbildung brauchen. Ist die PH parat?

Wir werden in der Aus- und Weiterbildung jene Dozierenden mit Medienwissen mit solchen aus andern Fachbereichen zusammenarbeiten lassen. Sie müssen gemeinsam ausarbeiten, was jeder in seinem Fach realisieren kann. Auch in den Schulen sollte jede Lehrperson ihren Anteil leisten können. Ein ganz natürlicher Umgang mit neuen Medien wird in Zukunft dazugehören. Und zwar in jedem Fach. Man darf diese Themen nicht nur Fachleuten überlassen.

Mit dem geplanten Bildungsmonitoring, einer Art Schweizer Pisa-Studie, werden es die Lehrer künftig jedoch schwarz auf weiss haben, wie effizient ihr Unterricht war.

Das ist so. Druck wird jedoch nur entstehen, wenn die Tests nicht richtig aufgebaut sind. Falls nur Wissen abgefragt wird, werden die Lehrpersonen nur noch darauf fokussieren. Sie werden auf Wissensbestände hinarbeiten statt auf Kompetenzen. Das muss verhindert werden.

Lehrplan 21 Mehr Kompetenz

Der Lehrplan 21 soll die Bildungsziele in den 21 Deutschschweizer Kantonen harmonisieren. Die erste Fassung ist in der Vernehmlassung. Die wichtigste Neuerung ist die Kompetenzorientierung. Ausserdem sieht er neben den Fachbereichen, die an die traditionellen Fächer knüpfen, überfachliche Kompetenzen (Eigenständigkeit, Selbstreflexion, Konfliktfähigkeit) und fächerübergreifende Themen wie berufliche Orientierung, Medienbildung und nachhaltige Entwicklung vor. Letztere sollen im Rahmen der anderen Fächer in den Unterricht einfliessen. 20 Prozent der Lektionen können die Kantone selbst gestalten. Mit dem Bildungsmonitoring, einer Art Pisa-Test, werden ab 2016 die Leistungen der Schüler stichprobenartig abgefragt. (mry)

Dieser Artikel erschien am 16. September 2013 im "Bund".

Text: Manuela Ryter, textbüro manuskript, bern